
Am 11. September 1926 eröffnet Karl Richter als Stadtrat der Geschäftsgruppe Allgemeine Verwaltungsangelegenheiten die Feuerhauptwache Ottakring-Hernals und die Feuernebenwache Dornbach.
Erste Versuche, die häufig wiederkehrenden Brandkatastrophen in der Stadt zu bekämpfen, werden ab der Mitte des 15. Jahrhunderts durch eine „Löschverpflichtung der Gewerbsleute“ unternommen. Doch erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts kommt es zu einer Zentralisierung der vorhandenen Löschgeräte und zur Anstellung eines „ständigen Löschpersonals“.
Die Initiative zur Zentralisierung der Feuerbekämpfung in einem neben dem Zeughaus Am Hof gelegenen Gebäude geht auf die Erfahrungen aus der zweiten Türkenbelagerung Wiens im Jahr 1683 zurück. 1731 ist das neue Quartier, das im Wesentlichen bis heute besteht, bezugsbereit. Vier angestellte „Feuerknechte“ bilden die erste ständige, noch nicht uniformierte Löschmannschaft. Die Wiener Berufsfeuerwehr gilt damit als die älteste noch bestehende Berufsfeuerwehr der Welt.
Im 18. Jahrhundert sind vor allem die noch weitgehend ungeschützten Vorstädte immer wieder von verheerenden Großbränden betroffen. Kaiserin Maria Theresia erlässt deshalb 1759 eine neue Feuerlöschordnung. Es gibt mehr Personal, einheitliche Uniformen und eine bessere Ausrüstung.
Mit der Eingliederung der Vorstädte und der sukzessiven Stadterweiterung ab der Mitte des 19. Jahrhunderts muss eine „echte“ Berufsfeuerwehr her, die Filialen in den heutigen Bezirken 2 bis 9 unterhält. In den eingemeindeten Vororten, den Bezirken 10 bis 21, entstehen die ersten freiwilligen Feuerwehren.

Feuerwehr Penzing © Sammlung Helmut Bouzek
Das 19. Jahrhundert ist auch im Feuerwehrwesen jenes der technischen Neuerungen und Erfindungen. 1850 werden in Wien die ersten Hydranten aufgestellt, 1878 die ersten Dampfspritzen und Rettungsschläuche angeschafft, 1878 kommt erstmals ein Sprungtuch beim Brand eines Tanzlokales in der Leopoldstadt zum Einsatz, und 1883 auch die erste fahrbare Schiebeleiter, „Wiener Leiter“ genannt.
Der 8. Dezember 1881 ist eine Zäsur. Der verheerende Brand des Ringtheaters, eine der größten Brandkatastrophen der Stadt, fordert 386 Menschenleben. Die umfangreichen Untersuchungen bringen eine ganze Reihe von organisatorischen und sicherheitstechnischen Mängeln zutage.
Nach Gründung der Republik sind sich die Verantwortlichen in der neuen Stadtverwaltung und bei der Wiener Feuerwehr einig, dass weder die Organisation noch die Ausrüstung den Anforderungen einer Millionenmetropole genügen und leiten umfangreiche organisatorische Reformen und technische Verbesserungen ein.
Ziel der Reform ist es, das Wirkungsgebiet der Berufsfeuerwehren, die bis dahin lediglich für den Schutz der innerhalb des Gürtels liegenden Bezirke zuständig und bereits mit 126 modernen Automobilgeräten ausgestattet sind, auf ganz Wien auszudehnen.
Die 46 Freiwilligen Feuerwehren, die zum Teil noch mit Pferdebespannung ausrücken, werden deshalb von der Städtischen Branddirektion „eingeladen“, ihre Kapazitäten zu bündeln, was jedoch, wie zu erwarten, zunächst auf erheblichen Widerstand stößt.
Nach und nach wird die Zahl der Freiwilligen Feuerwehren auf acht – darunter fünf Werksfeuerwehren – reduziert. Alle übrigen werden aufgelassen oder von der Berufsfeuerwehr übernommen. Die Stadt wird in sieben Feuerschutzsektionen eingeteilt, jeder Einsatzort soll in etwa fünf Minuten erreicht werden können.

Feuerwehr Währing © Sammlung Helmut Bouzek
Vor 100 Jahren sind die drei Hauptfeuerwachen, zehn Berufsfeuernebenwachen und drei gemischte Feuernebenwachen, bestehend aus Berufs- und Freiwilliger Feuerwehr, mit der Zentrale Am Hof verbunden. Die beiden neuerrichteten Feuerwachen sollen die Lücke in den westlichen Bezirken Wiens schließen.
Die Reform des Brandschutzwesens zeige bereits erste Erfolge, berichtet die Arbeiter-Zeitung anlässlich der Eröffnung der neuen Feuerhauptwache Ottakring-Hernals. Während noch im Jahr 1924 ganze 70 Großbrände ungeheure Werte vernichtet hätten, sei die Zahl der Feuerkatastrophen im Folgejahr auf 17 zurückgegangen, was in erster Linie auf das raschere Eingreifen im Brandfall zurückzuführen sei. Insgesamt verzeichnen die Wiener Feuerwehren jährlich mehr als 2.500 Einsätze.
Die neue Zentrale Ottakring-Hernals befindet sich am Johann-Nepomuk-Berger-Platz. Neben fünf Automobillöschgeräten verfügt sie auch über eine fahrbare Radiostation. Jene in Dornbach besitzt drei Fahrzeuge. Die Feuerhauptwache Ottakring-Hernals wird im September 1944 fast vollständig zerstört und in den Jahren 1954 bis 1956 neu errichtet werden.

Feuerwehr Ottakring-Hernals © Sammlung Helmut Bouzek
Ebenfalls 1926 werden die Gruppenwache Altmannsdorf in Meidling – ihre Erweiterung 1929 besorgt im Übrigen der Architekt des Karl-Marx-HofesKarl Ehn – sowie die Gruppenwache Speising nach Plänen von Josef Bittner, dem Leiter des Stadtbauamtes, in Betrieb genommen. Die im Roten Wien errichteten Feuerwachen bestehen bis heute und zeichnen sich durch ihre markante Architektur aus.
Ein architektonisches Kleinod ist die 1927/28 nach Plänen von Konstantin Peller und Josef Bittner errichtete Gruppenwache Grinzing, die– ähnlich wie der Rabenhof – deutliche Anklänge an den nordischen Expressionismus aufweist und einen bemerkenswerten dreistöckigen Übungsturm besitzt. Über solch einen freistehenden Übungsturm, der an eine futuristische Bauplastik erinnert, verfügt auch die in den Jahren 1927/28 nach den Plänen derselben Architekten errichtete Gruppenwache Neustift am Walde. Kleine bauliche Meisterwerke sind die in den Jahren 1928/29 von Peller und Bittner im malerischen Kahlenbergerdorf errichtete Gruppenwache sowie die Gruppenwache Am Steinhof in der Johann-Staud-Straße, ein schloss- oder gutshofähnlicher Nutzbau mit reicher Klinkerverkleidung aus den Jahren 1929/30.

Feuerwehr Grinzing © Sammlung Helmut Bouzek
Die Feuerwehrleute der Ersten Republik sind – im Gegensatz zur Polizei – mehrheitlich sozialdemokratisch organisiert. Im Februar 1934 ist der Kommandant der Hauptfeuerwache Floridsdorf, Georg Weissel, auch Kommandant des Schutzbundregiments „Karl Marx“, der Seele des Arbeiterwiderstandes im Bezirk. Am Morgen des 13. Februar werden 61 Feuerwehrmänner gefangengenommen; Weissel wird wegen „bewaffneten Aufstandes“ vom Standgericht zum Tode verurteilt und am 15. Februar kurz vor ein Uhr früh im Landesgericht Wien hingerichtet.
An der Feuerwehrzentrale Am Hof erinnert ein vom Bildhauer Mario Petrucci geschaffenes Denkmal an die Feuerwehrleute Georg Weissel, Ludwig Ebhart, Josef Schwaiger, Rudolf Haider, Hermann Plackholm und Johann Zak, die allesamt Opfer des Faschismus in Österreich wurden.